Jesus gives me the power to face anything! Phil. 4,13

SRSteamextreme_Biking Input März

Hallo allerseits,

ihr habt schon lang nichts mehr von mir gehört.

Das hat ganz verschiedene gründe, unter anderem kann ich mich schon seit ner ganzen zeit nicht motivieren, eine Rundmail abzuschicken. Ich hab schon ca. drei mal angesetzt und was aufgeschrieben, aber irgendwie hatte ich dann nicht das Gefühl, dass mein verfasstes Zeug irgend jemandem was bringen könnte.

Ich merke, dass mein Verhältnis zu Gott auf Sparflamme läuft. Na klar, Gottesdienst wird meistens besucht und ich schaff es auch in den restlichen Lebensbereichen, meinen glaubenstechnischen Anforderungen gerecht zu werden, aber ich hab das Gefühl, dass in mir nichts ist, was ich weiter geben könnte. Wenn ich mich selbst und meinen glauben angucke, seh ich definitiv mehr Fragen als Antworten. So viel zu meiner momentanen Lage.

Grad hatte ich mich dann aufs Bett gesetzt und angefangen, Gott noch mal in Ruhe zu suchen, als mir zuerst die Losung für heute über den Weg lief:

Verlasse mich nicht, Herr, mein Gott, sei nicht ferne von mir!(Psalm 38, 22)

Passt ziemlich gut auf meine Situation, dachte ich mir. Es ist nicht so, dass ich das Gefühl hätte, Gott wäre nicht bei mir. Eher könnte man sagen, dass ich vor lauter formaler Fragen MEINEN GOTT verloren habe. Nicht in Gänze, aber doch zu einem großen Teil. Dinge, die mir vorher so klar erschienen, sind jetzt bestenfalls starre Dogmen, die sich mir nicht als besonders begründet darstellen. Also denke ich das, was David in dem Psalm geschrieben hat. Gott kommt mir halt einfach fremd vor.

Danach habe ich meine Bibel aufgeschlagen, ich lese momentan das Lukas-evangelium. Ich steige bei Lukas 4, 31 ein. Nach ein paar Versen komme ich zu Vers 41:

Es fuhren auch die bösen Geister aus von vielen, schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes! Und er bedrohte sie und lies sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Christus war.

Neben vielen nebensächlichen Fragen blieb eine Frage hängen: wieso will Jesus nicht, dass die Geister verraten, wer er ist? Da sind sie wieder, die Standard-Antworten: Jesus wollte die Verheißungen aus dem Alten Testament erfüllen etc. aber eine mögliche Antwort hat mich gefesselt und  mich zu dem nun geschriebenen ermutigt:

Jesus will nicht, dass wir nur von anderen hören, wer er ist. Er will sich uns selbst vorstellen!

Irgendwie macht mich das ruhig und gespannt zugleich. Was kommt wohl dabei raus, wenn sich mir Jesus mal tatsächlich vorstellen würde? Ohne das ganze Geplänkel von menschen, einfach nur JESUS…

Gottes Segen wünscht Philipp Linder

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SRSteamextreme_Bike Input August

Jeden Monat schickt Philipp Linder einen Input in das Biketeam. Wir sind so begeistert davon und wünschen, dass es euch genauso bewegt wie uns.

Und jetzt kommt der Input August 2010:

Freundschaft

Dieses Semester ist ein guter Freund von mir aus Münster wieder zurück in seine Heimatstadt gezogen und wird da jetzt weiter studieren. Letzten Donnerstag waren wir dann das letzte Mal zusammen weg und auf dem Rückweg hab ich dann auf dem Fahrrad über Freundschaft nachgedacht.

Erstens ist mir aufgefallen, dass ich viele Freundschaften einfach so dahin laufen lasse. Das soll heißen, dass ich zwar Zeit mit den Freunden verbringe, aber mir nicht bewusst über den Wert solcher Zeiten bin. Das bedeutet für mich nicht, dass ich aus jedem Treffen etwas Besonderes machen will, aber ich wäre mir einfach gerne über das Privileg, Freunde zu haben, im Klaren.

Zu dieser Thematik passt auch ein sehr cooler Vers aus der Bibel:

Eisen schärft Eisen; ebenso schärft ein Mann den anderen. Sprüche 27, 17 (Schlachter 2000)

Wie man Eisen durch Eisen schleift, so schleift ein Mensch den Charakter eines anderen. (Hoffnung für Alle)

Freundschaft ist einfach unerlässlich, wenn man nicht in seiner Entwicklung stehen bleiben möchte. Wenn man immer nur auf die Eigenwahrnehmung setzt, kann man sich sicher sein, kein objektives Bild von sich zu bekommen. Folglich passiert es zwangsläufig, dass man sich in falsche Richtungen entwickelt. Vor ein paar Wochen ist mir ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer über den Weg gelaufen, was ziemlich gut dazu passt:

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich träte aus meiner Zelle

gelassen und heiter und fest

wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich spräche mit meinen Bewachern

frei und freundlich und klar,

als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,

ich trüge die Tage des Unglücks

gleichmütig, lächelnd und stolz,

wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?

Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,

ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,

hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,

dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,

zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,

umgetrieben vom Warten auf große Dinge,

ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,

müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,

matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?

Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler

und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?

Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,

das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Zwei Sachen will ich noch aus dem Gedicht unterstreichen. Einerseits wäre das Bild, das Bonhoeffer hier von sich zeichnet, ohne die Fremdwahrnehmung zu Beginn unvollständig und falsch. Ich merke selbst oft, dass ich unzufrieden mit mir bin. In solchen Situationen ist ein ernst gemeintes Lob von einem richtigen Freund das Größte was es gibt.

Zweitens finde ich es beeindruckend, dass Bonhoeffer am Ende seine Identitätsfrage Gott überlässt. Indem er sagt, dass, wer er auch ist, Gott ihn kennt, zeigt er, dass er sich seinen Charakter von Gott zeigen lassen möchte. Wie cool, wenn jemand echt sagen kann, dass er seinen Selbstwert aus der Beziehung zu Gott ziehen kann!

Ich wünsche mir, dass ich mich weniger über meine Unzulänglichkeiten drehe, sondern darauf höre, was Gott mir durch andere Menschen über mich selbst verrät. Und ich möchte meine Freundschaften bewusst leben und so erfahren, wie ich anderen gegenüber auftrete.

Viele Grüße, Philipp

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